Die Leichtgläubigkeit

17. November 2003 | Von | Kategorie: Wirtschaft

Es ist immer wieder überraschend, wie sehr Politiker darauf vertrauen, dass die Wirtschaft es schon richten wird.
Ungeachtet nicht eintreffender Vorhersagen von Wirtschaftsinstituten, gebrochener Versprechen von Wirtschaftsverbänden und der Hilferufe von Managern bei von Ihnen an die Wand gefahrenen Unternehmen, glauben Politiker, Unternehmer könnten alles besser als sie und nur wenn sich die Politik komplett an den Wünschen der Wirtschaft ausrichtet, könnte Wohlstand gesichert werden.Dabei geht es Unternehmen nicht um Wohlstand für Alle. Es geht darum Gewinne zu machen. Wenn es nicht möglich ist, teuer zu verkaufen, weil man kein Monopol hat, dann bleibt nur eins: Kosten sparen. Daran arbeiten alle Lobbygruppen der Wirtschaft seit mindestens 25 Jahre in gemeinsamer Anstrengung. Zum Wohle der deutschen Wirtschaft sind unzählige steuerliche Ausnahmen für Billiglöhne, Überstunden und Besserverdienende, für Subventionierung von Energie, ob Strom, Diesel oder Kerosin u.v.a. geschaffen worden. Die Möglichkeiten hierbei sind ausgereizt und sichern nun nicht mehr die Gewinne. Auch die Sicherung von Subventionen bei Verlagerungen von Niederlassungen von einer Kommune in die nächste oder von einem Billiglohnland in das nächste, hat seine Nachteile, vor allem wenn dies die Mitbewerber auch so machen.Die Unternehmen stehen in einem verschärften globalen Wettbewerb. Nur wenn sie bei uns so billige Arbeitskräfte einstellen können, wie in Billiglohnländern, sind sie nicht gezwungen Arbeitsplätze in diese Länder zu verlagern. Jetzt geht’s ums Ganze! Die Solidargemeinschaft ist überholt, jetzt müssen wieder die alten frühkapitalistischen Werte gelten. Nur so bekommen wir wieder Anschluss an die globale Wirtschaft, wo sich jeder um sich selbst kümmern muss, statt auf eine Solidargemeinschaft zu bauen. Humanistische und christliche Werte, dass jeder des anderen Last trage, können wir uns nicht mehr leisten. Diese uralten Zöpfe gehören abgeschnitten, denn christliche und soziale Grundsätze sind nicht mehr zeitgemäß. Wenn jeder nach seinen Möglichkeiten gibt und nach seinem Bedarf nimmt, können keine Gewinne gemacht werden. Die Politiker der meisten Parteien haben diese Maxime aufgeben. Es geht nicht mehr um soziale Gerechtigkeit und Wohlstand für Alle, sondern Reformen, Modernisierung und Liberalisierung sind die Schlagworte. Dass damit das Gegenteil, ein kompletter Rollback bis hinter Bismarcks Sozialpolitik eingeleitet wird, haben unsere Politiker und auch viele Journalisten gar nicht verstanden.

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