Wider eine Lex Kopftuch

4. Dezember 2003 | Von | Kategorie: Gesellschaft, Politik

In Berlin haben sich prominente Frauen aus Politik und Gesellschaft sich vehement gegen ein generelles Kopftuchverbot an deutschen Schulen ausgesprochen. Sie rufen dazu auf sich gegen eine „Lex Kopftuch“ einzusetzen.
Zu den Initiatorinnen des Aufrufs gehören die Integrationsbeauftragte der Regierung, Marieluise Beck, und Ex-Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet treten die Verfasserinnen für eine differenzierte Debatte über das Thema ein. Beck sagte bei der Vorstellung des Aufrufs, eine Ausgrenzung der Kopftuchträgerinnen würde nur den Fundamentalisten in die Hände spielen. Ein Kopftuchverbot würde nur die Stigmatisierung jener Frauen vorantreiben, die es tragen, heißt es in dem „Aufruf wider eine Lex Kopftuch“.Die Initiatorinnen betrachten es mit Sorge, „welche Richtung diese Diskussion an vielen Stellen nimmt und wie Islam und Fundamentalismus oft undifferenziert gleichgesetzt werden“. „Wenn wir ohne Prüfung der individuellen Motive generell Frauen mit Kopftuch vom öffentlichen Schulleben ausschließen, treffen wir gerade die Frauen, die mit ihrem Streben nach Berufstätigkeit einen emanzipatorischen Weg beschreiten wollen.“Die frühere Ausländerbeauftragte des Berliner Senats, Barbara John (CDU), sagte laut dem Bericht der Süddeutschen, Verbote würden nur weiter radikalisieren. Sie verwies darauf, dass es im Zuge der öffentlichen Debatte für die jungen Kopftuchträgerinnen schwieriger geworden sei, etwa einen Praktikumsplatz für die Weiterbildung zu erhalten. Vielfach werde den Frauen Misstrauen entgegengebracht. Unterstützt wird der Aufruf von der früheren Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger(FDP), der Verbraucherschutzministerin Renate Künast (Grüne), der Berliner Sozialsenatorin Heidi Knake-Werner (PDS), der Bundesbeauftragten für die Stasi-Akten, Marianne Birthler, der Hamburger Bischöfin Maria Jepsen, Verdi-Vizechefin Margret Mönig-Raane und der Schauspielerin Katja Riemann. Insgesamt unterstützen bisher bundesweit mehr als 70 Frauen die Aktion.

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